d'roboter

In Zürich teilt sich die Gesellschaft über die Jahre. Die Mehrheit treibt schweigend im Bünzli-Smog der Stadt während insbesondere Jugendliche immer lauter werden.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts verwandelt sich die Stadt Zürich in ein urbanes Ballungsgebiet, dessen Agglomeration mehr und mehr in den Kanton hinausreicht. Der Zusammenhang von Arbeit, Wohnen, Einkaufen, Freizeit und Ausbildung löst sich weitgehend auf. Die verschiedenen Lebensbereiche teilen sich über die Jahre auf unterschiedliche und zunehmend entferntere Gemeinwesen auf. Wer vom Wohnort zum Arbeitsplatz oder zur Ausbildungsstätte gelangen will, muss nun ein oft beachtliches Stück Weg zurücklegen.
Diese Entwicklung schlägt sich unter anderem in einem Verlust an verfügbaren und vielfältig nutzbaren Räumen nieder. Die Veränderungen der Stadt Zürich trifft die Kinder und die Jugendlichen am härtesten. Sie führen zu einer Verknappung ihres Lebens- und Spielraumes.
Die Gesellschaft wandelt sich zusehends von einer industriellen zu einer hoch technologisierten Informationsgesellschaft. Die Stoffpläne an den Schulen werden ausgebaut und neue Fächer werden eingeführt. Damit erhöhen sich auch die Tagespensen und die Ausbildungszeit verlängert sich. Die Jugendlichen verbringen einen mehr und mehr Zeit in den Institutionen der Ausbildung und Erziehung.
»mis Läbe wird bestimmt vo dere stadt ... dur de ganzi stress jede tag«
Während dadurch die ursprüngliche Funktion der Familie als Erziehungsinstanz weniger wird, erhalten Gleichaltrige eine zunehmend grössere Bedeutung im Leben der Jugendlichen. Sie suchen Wege um sich neben den gesellschaftlichen Anforderungen auszutauschen und eigene Plätze zu schaffen. Die Kluft zwischen Jugendlichen und Erwachsenen vertieft sich zusehends.
»es git e schwiigendi Mehrheit und dänn gits aber au no die Mänsche, wo schreied und kei Roboter wänd si«
Ebendiese Plätze sind nicht vorhanden und können von den Jugendlichen ohne die Hilfe der Stadt nicht aufgebaut werden. Ende der 1960er-Jahre werden die Betroffenen das erste Mal laut. Grundsätzlich tritt die Politik der Bewegung wenig aufgeschlossen gegenüber. Auch die Mehrheit des städtischen Volkes ist der Meinung, dass es sich um ein Modephänomen handle. Die Stadt versucht dem Problem repressiv entgegenzutreten.

Kinoplakat für Züri brännt (1980)

"… In Ordnung ist überhaupt alles, was glatt, kahl und sauber ist. … Andächtige Monotonie von Beamtenschritten in den öden Gängen der Registraturbehörden. Riesige planierte Flächen vor den Einkaufszentren, so leer und wunschlos wie die Köpfe der Familienväter am Sonntag. … Doch unten, wo der Verputz zu bröckeln beginnt, … da leben die Ratten, wild und wuchernd und fröhlich, schon lange. Krüppel, Schwule, Säufer, Junkies, Spaghettifresser, Neger, Bombenleger, Brandstifter, Vagabunden, Knackis, Frauen und alle Traumtänzer, werden zusammenströmen zur Verbrennung der Väter"

Die Bewegung will sich vor allem von diesen Biedermännern absetzen, die im ewigen, bürokratischen und frommen Trott weitergehen. Die Bewegten wollen sich von diesen Müllers - wie sie von ihnen genannt werden - absetzen. Es ist eine Bewegung von Aussenseitern, die spontan aus dem Schweigen aufbricht. Ihre Anliegen sind insbesondere Wohnformen und kulturelle Freiräume.
»mier wänd wider läbe anstatt nur gläbt z'werde«
Die Verhandlungen über mehr Platz für jugendliche und subkulturelle Anliegen zwischen den Bewegten und der Stadt werden zu einer langjährigen Auseinandersetzung, die ihren Höhepunkt zu Beginn der 1980er Jahre erlebt.

d'vorgschicht

Auf der Bahnhofbrücke kommt es zu den ersten grossen Ausschreitungen zwischen den Bewegten und der Polizei. Die Stadt versucht dem Problem Herr zu werden, indem sie alle möglichen Orte provisorisch und mit der Bedingung einer ordentlichen städtischen Überwachung zuspricht. Von den eigentlichen Anliegen will sie nichts wissen.
Das provisorische Aktionskomitee für ein autonomes Jugendzentrum entsteht 1968. Den Bewegten wird vom Stadtrat das leerstehende Globus-Provisorium für eine zweitägige Versammlung zur Verfügung gestellt. Es wird gedroht, das Globus-Provisorium zu besetzen falls den Jugendlichen bis Mitte Jahr kein geeignetes Lokal für ein autonomes Jugendzentrum zugewiesen werde.
» d'68er-Bewegig isch eigentli nur de Vorbote vo de Jugendunruhe gsi «
Die Stadt erlaubt weder weitere Veranstaltungen noch geht sie auf die Forderung ein. Dies resultiert in zwei Tage andauernde heftige Strassenkämpfe auf der Bahnhofbrücke. Die Stadt versucht die Lage mit polizeilicher Gewalt unter Kontrolle zu bekommen.
Kaum einen Monat später versucht die Stadt erstmalig einzulenken und verspricht den Jugendlichen, das alte Drahtschmidli für deren Bedürfnisse zu sanieren.
Eine vermeintlich gute Idee sieht die Stadt 1970 darin, den Lindenhofbunker als Platz für die Unzufriedenen anzubieten um sie dort einzukesseln. Schnell wurde klar, dass das Projekt nicht funktionierte. Prekäre Zustände nahmen überhand und der Bunker wurde nach nur 68 Tagen geräumt.
Das Drahtschmidli wird 1972 wiedereröffnet und prompt von Jugendlichen eingenommen. Die Polizei wird angefordert. Die von der Stadt bewilligte Vorlage für das gemeinschaftliche Drahtschmidli-Konzept wird von der Bevölkerung abgelehnt. Auch die Jugendlichen sahen darin nur eine weitere Überwachungsanlage der Stadt statt des geforderten autonomen Freiraumes.
Christian Casparis erzählt, wie die Stadt das Anliegen der Jugendlichen für einen autonomen Platz über die Jahre konsequent ignoriert und somit die Unruhen vorantreibt
Die Stimmberechtigten sagen sich 1977 für eine Umstrukturierung der Roten Fabrik in Wollishofen als Begegnungs- und Kulturzentrum aus. Das Drahtschmidli soll binnen weniger Jahre abgebrochen werden. Die Stadt überlässt den Jugendlichen die Villa Schindlergut. Dort wird die erste Vollversammlung der Bewegten abgehalten. Sie entscheiden im Kollektiv, dass die gesamte Vollversammlung Entscheidungen und Forderungen gemeinsam für die Bewegung treffen und jeder Anwesende das Recht darauf hat, die eigene Meinung zu äussern.

Während der Diplomausstellung:

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Mehrspur Musikklub im Toni-Areal

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de zämeschluss

Es formiert sich die Aktionsgruppe Rote Fabrik. Ihr Anliegen ist es insbesondere, die Rote Fabrik als Jugendzentrum umzusetzen.
Nachdem die Stadt 1977 die Umwandlung der Roten Fabrik in ein Jugendzentrum beschliesst, schwirrt der Gedanke an ein selbst geführtes Haus in den Köpfen der Jugendlichen herum. Nicht alle Jugendliche haben die gleichen Vorstellungen von der Umsetzung und den Forderungen an die Stadt. Trotzdem merken sie, dass sie alleine nichts bewirken können. Deshalb schliessen sie sich – obgleich unterschiedlicher Ansichten – zusammen.
Im Herbst 1979 entsteht der Zusammenschluss Rock als Revolte zuvor aus dem Bedürfnis heraus, die Musikkultur in Zürich zu verbessern. Sie wollen eine Alternative zu kommerziellen Konzerten schaffen und Räumlichkeiten für musikalische Treffen, Feste und Diskussionen rund um Musik zu fördern.
Zusammen mit verschiedenen Einzelpersonen und Gruppierungen wie Kommunistischer Jugendverband und Freaks am Friitig gründen sie die Aktionsgruppe Rote Fabrik. Vieler der Mitglieder setzen sich nicht nur spezifisch für die Rote Fabrik als Jugendzentrum ein, sondern mischeln auch bei der Bewegung rund ums AJZ mit. Es vergehen Jahre bis die Rote Fabrik den Jugendlichen nicht nur provisorisch zugesprochen wird.

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d'vorgschicht frei

s'jugendhuus

Einige Jahrzehnte nach der ersten Überlegung für ein Jugendhaus, fruchtet die Idee auf dem Drahtschmidli-Areal.
Die Idee eines Jugendhauses kommt in den 1930er-Jahren aus den Reihen der Vereinigung Ferien und Freizeit. Es wird darüber nachgedacht, Räume für Bastelworkshops, Freizeitwerkstätten und eine Mehrzweckhalle zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls soll das Jugendhaus mit den Jugendherbergen zusammenarbeiten und die städtische Berufsberatung beinhalten.
Der Zürcher Frauenverein veranstaltet 1948 ein alkoholfreies Dancing. Die Vereinigung Ferien und Freizeit unterstützt das Vorhaben und die Veranstaltung läuft so gut, dass sich der Frauenverein im Gegenzug ebenfalls für ein Jugendhaus einsetzt. Es wird ein Initiativkomitee eingeläutet, das aus verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, Kirchen, Schulen und Jugendorganisationen besteht.
Die Standortfrage wird geklärt. 1956 wird unter anderem das Drahtschmidli-Areal als potenzieller Standort definiert. Man will sich aber erst provisorisch in den Gebäuden einquartieren. Nachdem klar wird, dass ein Neubau möglich wäre, kündigt die Stadt der Hauptmieterin Brauerei Hürlimann.
Das Drahtschmidli wird renoviert. Fast hundert Jugendliche renovieren 1960 unter der Leitung von älteren Jugendlichen mit abgeschlossener Handwerkslehre einzelne Räume an den Abenden und Wochenenden. Es entstehen unter anderem Gruppenräume, eine Diskothek, Büroräumlichkeiten, eine Bibliothek, eine Spielhalle, ein Café, ein Fotolabor, ein Jazzkeller und diverse Ateliers.

s'operehuus

Hier vor dem Opernhaus knallt es heftig. Während der zunächst friedlichen Demonstration gegen eine städtische Abstimmung wird – auch verschuldet durch die Stadt – eine geballte Ladung Zorn freigesetzt.
Von der Stadt wird eine Abstimmung für einen Opernhausumbau für 60 Millionen lanciert. Die Bewegten können nicht verstehen, warum alle ihre Forderungen abgeblockt werden und gleichzeitig so viel Geld den Müllers und ihrer müllerschen Kultur zugesprochen werden soll. Organisiert von der ARF treffen sich die Bewegten am 30. Mai 1980 vor dem Opernhaus um für die alternative Kultur zu demonstrieren. Sie machen die Opernhausbesucher auf ihre Bedürfnisse aufmerksam.
»eusi Kultur wird eifach übergange«
Die Demonstration beginnt friedlich. Umso überraschter sind die Anwesenden als plötzlich mehr als 30 Polizisten in Kampfausrüstung auftauchen und die Bewegten dazu auffordern, innerhalb von 15 Minuten das Areal zu verlassen. Die Polizisten werden zunächst belächelt.
Polizisten versuchen die Jugendlichen in Schach zu halten (1980)
Das Auftreten der Polizei empfindet man dennoch als grosse Provokation. Die Wut der Bewegten fängt an zu brodeln und die ersten Scharmützel fangen an. Spät abends verbreiten die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich die Meldung, dass das Bellevue gesperrt sei. Das Bob Marley Konzert im Hallenstadion geht soeben zu Ende und einen Teil der Besucher schliesst sich den Bewegten auf der Strasse an. Die Auseinandersetzung nimmt neue Formen an.
Roland Meyer erklärt, inwiefern sich die Jugendunruhen zu den 68er-Bewegung unterscheidet, aber darauf gegründet war
Es machen sich Randalierer breit. Sie nutzen die Demonstration um Schaufenster einzuschlagen und auszuräumen. Am darauffolgenden Tag geht die mittlerweile 1200 Menschen umfassende Demonstration weiter. Erst als sich die Polizei zurückzieht, entspannt sich die Lage. Die Bewegten fangen an über das weitere Vorgehen, über ihre Forderungen und auch über Gewaltfreiheit zu diskutieren.

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Opernhaus

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d'polizeigwalt

Vom Bahnhofquai 3 aus koordiniert die Polizei ihre Einsätze. Auf Geheiss der Stadt versucht sie die Bewegung offensichtlich zu zerschlagen. Es werden über hundert Menschen verhaftet, doch die Bewegten reagieren in gewohnt schelmischer Manier.
Eine der grossen Diskussionen während den Jugendunruhen betrifft die Verhältnismässigkeit der Polizeieinsätze. Da die Stadt den Problemen scheinbar stagniert gegenübertritt, verfolgt sie kein klares Ziel. Genauso wirken auch die Polizeieinsätze: Unkoordiniert und übertrieben.

Vorgefertigte Vorlage einer Strafanzeige gegen die Polizei

"Ich erhebe Strafanzeige gegen unbekannte Beamte der Stadt- und/oder Kantonspolizei Zürich wegen Amtsmissbrauch ... Polizisten haben am [Datum einsetzen], mit Knüppeln, Fäusten, Fusstritten, Strahlruten auf mich eingeschlagen, mich an den Haaren gerissen, während ich völlig wehrlos war."

Der Betrieb eines autonom geführten Jugendhauses wird scheinbar endlich von der Stadt geduldet. Während den bis anhin andauernden Aufständen, werden regelmässig duzende von Personen verhaltet - oft auch präventiv. Einige dieser Strafverfahren sind ausstehend und die Bewegten versuchen sich, mit aller Kraft dagegen einzusetzen. Rund zwei Wochen nach der Inbetriebnahme des AJZ versammeln sich etwa 200 Bewegte vor dem Haus, um gegen die - aus ihrer Sicht - unbegründeten, Strafverfahren zu demonstrieren. Da die Demonstration ohne Bewilligung durchgeführt werden soll, entschliesst sich der Stadtrat zu einem Grossaufgebot der Polizei.

Flyer gegen die systematischen Verhaftungen

"Die Verhaftungen der letzten Zeit beweisen, dass sich die Taktik der Schweine geändert hat. Sie versuchen Leute aus dem Verkehr zu ziehen, die ihrer Meinung nach Aktionen wie Häuserkampf und Demos pushen. Die Bullen versuchen so, der Bewegung hierarchisch Strukturen aufzuzwingen ... Der ganze Drogenhandel wird von der Gasse ins AJZ abgedrängt um vermehrt aktive Leute auf's Gift zu bringen und so kalt zu stellen."

Bevor die Demonstranten überhaupt losmarschieren können, stellt ihnen die Polizei ein Ultimatum. Innerhalb einer Minute sollen sich die Bewegten zurückziehen. Kurz darauf erfolgt der Angriff. Mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen veranstaltet die Polizei eine Treibjagd auf die Jugendlichen. Es scheint, als gehe es nicht um die Auflösung einer Demonstration, sondern um die Zerschlagung einer Bewegung und die systematische Verhaftung ihrer Mitglieder.
Eingeschlagenes Schaufenster in der Altstadt (1980)
Die Kämpfe verlagern sich in die Altstadt und dauern bis zum nächsten Morgen. Tausende von Schaulustigen bewohnen dem Spektakel bei. Die Polizei achtet kaum auf Verluste, es entsteht ein immenser Sachschaden und ebenso kommen Unbeteiligte ins Kreuzfeld. Es werden schlussendlich insgesamt über hundert Bewegte verhaftet. Der Polizeieinsatz wird von den Medien als der härteste seit Jahrzehnten beschrieben.
Kurze Zeit später soll im Schweizer Fernsehen über die Verhältnismässigkeit des Polizeieinsatzes gesprochen werden. Die Bewegten entsenden zwei Mitglieder als Vertreter in der Sendung. Diese geben sich als Durchschnittsbürger aus der schweigenden Mehrheit – als Herr und Frau Müller – aus.
Sie beschweren sich vordergründig über die Harmlosigkeit des Einsatzes und proklamieren, dass man zukünftig härter durchgreifen soll. Sowohl ihre Gesprächspartner aus der Politik als auch der Moderator sind dieser Strategie nicht gewachsen. Das Gespräch wird vor geplantem Sendungsende abgebrochen.
Christian Casparis erzählt, wie durchschaubar die Politiker waren.

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Bahnhofquai 3

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d'ziilgerade

Das Haus an der Limmatstrasse 18-20 wird den Bewegten für ihr autonomes Jugendzentrum zugesprochen. Die Sozialdemokratische Partei greift den Bewegten unter die Arme.
Nach langer Diskussion unter den Jugendlichen bezüglich der zugesprochenen Räumlichkeiten, bietet die SP dem Stadtrat am 20. Juni 1980 an, die Trägerschaft für ein autonom geleitetes Jugendzentrum zu übernehmen. Kurze Zeit später beschliesst die Vollversammlung den Vorschlag der SP anzunehmen. Die Bedingung ist allerdings, dass das Haus autonom geführt werden muss und bis Ende des Monats geöffnet werden kann.
Die Vollversammlung im Volkshaus (1980)
Die Trägerschaft durch die SP kommt zustande und der Eröffnung des AJZ wird die Bewegung für den Moment entscheidend verändert. Die Hauptforderung ist nun erfüllt und es erfolgt eine Demobilisierung vieler Aktivisten. Die verbleibenden Jugendlichen nehmen die Renovation des Hauses zügig in die Hand. Es zeigt sich, dass sich insbesondere diejenigen am Projekt engagieren, welche zuvor mit Herzblut dafür kämpften. Es sind auch diejenigen, welche politisch am erfahrensten sind und bis anhin in verschiedensten Arbeitsgruppen aktiv waren.
Die Bewegten sind sich bewusst, dass die Stadt keinerlei Vertrauen in das Projekt hat und das Haus so bald wie möglich wieder schliessen will – wie bisher mit allen anderen autonomen Räumen. So versuchen sie möglichst schnell viel Geld in die Aufbau- und Renovationsarbeiten zu stecken um vollendete Tatsachen zu schaffen.
Roland Meyer erzählt vom schwierigen Alltag im AJZ
Die Struktur im AJZ wächst durch die Bedürfnisse. Es gibt Leute, die sich dazu bereit erklären, diese Bedürfnisse abzudecken und mit Lust und Musse am Werk sind. So entstehen mit der Zeit verschiedene Arbeitsgruppen. Die Betriebsgruppe ist für die Buchhaltung zuständig ist und knüpft Kontakte gegen aussen– insbesondere zu Eltern und zur Trägerschaft. Daneben entstehen Arbeitsgruppen für Küche, Restaurant, Bar, Sanität, Drogenhilfe, Frauen, Presse, Theater und Kino, Musik und andere Veranstaltungen.

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Limmatstrasse 18-20

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de rückschlag

Das AJZ wird von der Polizei durchsucht. Auf Druck der Öffentlichkeit wird das Gebäude geschlossen. Die Bewegten ziehen sich ins Limmathaus zurück. Es kommt erneut zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Bewegten.
Ab der Eröffnung des AJZ konzentrieren sich dort die sozialen Probleme der Gesellschaft. Viele Jugendliche flüchten aus den bestehenden Sozialeinrichtungen und suchen hier Zuflucht. Es wird die Heimat von Drogenabhängigen, Kriminellen und Alkoholikern. Die Arbeitsgruppen versuchen, diese Probleme anzugehen. Trotzdem wird das Experiment von der Öffentlichkeit sehr kritisch angesehen.
»es isch en rechtsfreie Ruum entstande und d’Stadt het bis hüt kei Massnahme degege ergriffe. de Zuestand isch unhaltbar«
Nach einer Razzia werden weiche Drogen, Schusswaffen und illegale Messer sichergestellt. Obwohl von der Polizei darauf hingewiesen wird, dass das Gebäude kein Umschlagplatz für harte Drogen sei und auch kein schweres Kriminalitätsproblem aufweise, schliesst die Stadt auf Druck der Öffentlichkeit – und insbesondere der Medien – das AJZ.
Die Stadt verfolgt – wahrscheinlich auf Grund der scheinbaren Ausweglosigkeit – weiterhin einen repressiven Kurs. Anstatt mit politischen Mitteln begegnet sie den Bewegten mit der Polizei und Justiz. Das verstärkt die Auseinandersetzungen. Noch immer wird kein Ansatzpunkt für eine mögliche Verständigung oder Zusammenarbeit geschaffen.
Die Bewegung trifft sich zu einer Vollversammlung um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Neben den 2500 Jugendlichen sitzen ihr auch internationale Journalisten bei. Durch die erneuten Auseinandersetzungen bekommen sie Beachtung der Weltöffentlichkeit – Zürich wird überall zum Thema.
Christian Casparis erklärt, dass die Auseinandersetzungen auf der Strasse der Bewegung Beachtung brachten
Ann der Vollversammlung berichten die Arbeitsgruppen des AJZ über ihre Erfahrungen. Daraus leiten sie die konkreten Forderungen für eine erneute Wiedereröffnung ab. Thema sind einerseits die hohen Besucherzahlen: Sogar nachts waren jeweils durchschnittlich 150 Personen anwesend. Andererseits werden mehr Geldmittel gebraucht für Renovationen. Zudem wird über die zahlreichen Sozialfälle diskutiert und wie mit diesen umgegangen werden soll. Mit den neuen Forderungen werden auf der Strasse friedlich proklamiert und stellt die Bewegung der Stadt ein Ultimatum für die Wiedereröffnung des AJZ bis Ende des Monats. Einen Monat lang bleiben die Bewegten friedlich.

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d'wohnigsnot

Nach der Erreichung des Ziels AJZ will sich die Bewegung auf die Wohnungsproblematik konzentrieren. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, entsteht unter anderem ein Slum auf der Sihl neben dem Landesmuesum.
Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist äusserst dramatisch. Die Stadt hat nicht nur keine Räume für jugendliche Anliegen, sondern allgemein sehr wenig zahlbare Wohnungen. Sogar von der Stadt selbst wird die Bevölkerung dazu aufgefordert, jede freie Wohnfläche zur Verfügung zu stellen. Es werden allerlei Räume gesucht, die für eine wenigstens kurze Zeit bewohnbar sind. Trotzdem verhält sich die Stadt auch in dieser Sache sehr repressiv. Besetzte Häuser werden regelmässig von der Polizei geräumt.

Flyer zur Wohnungsnot

"Langsam aber sicher werden wir aus dieser Stadt vertrieben. ... Keiner ist für die Misere verantwortlich zu machen. Es sind alles sogenannte Sachzwänge: Häuser 'müssen' abgebrochen werden, teure Renovationen sind eben 'nicht verboten'. Bei 'diesen Bodenpreisen', so appelliert man an unser Verständnis, müsse man halt wohl oder übel den kapitalkräftigen Bürobossen den Vorzug geben"

Neben den Hausbesetzungen werden im Frühling 1981 sogar Slums errichtet: Das sogenannte Chaotikon und das nach dessen Räumung erbaute Neu-Chaotikon sollen auf die Problematik hinweisen.
Teile von Chaotikon beim Platzspitz (1990)
Als Protest beginnen Bewegte den Teer des neben dem AJZ liegenden Car-Parkplatzes aufzureissen. Der Car-Parkplatz wird von der Stadt vorübergehend verlegt.
Roland Meyer erzählt, wie die Jugendlichen den Car-Parkplatz aufrissen und bepflanzten
Jugendliche sitzen vor dem aufgerissenen Car-Parkplatz (1991)
Es kommt ausserdem zu Auszugsboykotts bei temporären Bleiben, was von der Polizei allerdings direkt unterbunden wird. Die Aktivitäten gegen den Wohnungsmangel werden weniger. Die Stadt greift konsequent ein und die Bewegten wissen sich nicht zu helfen.
Enige Jahre später - 1988 - fallen die Worte «Die Stadt ist gebaut». Damit ist aber nicht gemeint, dass Zürich am Anschlag ist, sondern vielmehr, dass sich die Stadt verändern muss. Mit einem neuen Zonenplan und Plänen zur Gentrifizierung werden die 1990er-Jahre eingeläutet. Das Wohnungsproblem bleibt allerdings weiter bestehen.
Das städtische Stimmvolk entscheidet sich 2010 für eine Initiative für mehr Gewerbe- und Wohnräume. Neben den Vorhaben der Stadt, besser Verdienende in der Stadt zu halten, sollen auch Projekte zur Förderung von günstigem Wohnraum entstehen. Gemeinnützige Wohnungen der Stadt sowie Räume finanziert durch Stiftungen und der Wohnbaugenossenschaften gehen in Planung.
Heute sind es immer noch insbesondere günstige Wohnungen, welche man in Zürich schmerzlich vermisst. Gebaut wird in Zürich zwar ständig – es herrscht sogar eine richtige Baukonjunktur. Doch insbesondere die Zuwanderung, der höhere Flächenbedarf und die veränderte Bedeutung von Urbanität arbeiten gegen die vielen Massnahmen der Stadt.

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Brücke vor dem Landesmuseum

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de stillstand

Die Polizei und die Jugendlichen liefern sich regelmässige Auseinandersetzungen, die beim Globus am Bellevue beginnen.
Der Stadtrat kommt den Forderungen nicht entgegen. Insbesondere der Betrieb des AJZ über 24 Stunden kommt für ihn nicht in Frage. Einige Bewegte gehen daraufhin wieder auf die Strasse. Es wird der Abendverkauf am Warenhaus Globus gestört und Brandanschläge ausgeübt. Die Repressionen der Stadt werden fortlaufend verschärft.
Christian Casparis erzählt vom Abendverkauf
Insbesondere die Bürgerlichen der Stadt fordern, dass alle Verhandlungen abgebrochen werden sollen. Die Bewegung müsse sich erst von den Militanten distanzieren, bevor man auf sie eingehen soll. An der Vollversammlung vom 15. Oktober 1980 distanziert sich ein Teil erstmals von den Gewaltakten. Einige Bewegte beginnen, mit Kreativität auf sich aufmerksam zu machen.
Christian Casparis erzählt von der Geisterdemonstration
Es werden auch Strassentheater aufgeführt, die auf die Probleme aufmerksam machen sollen. Es gibt auch eine Mülldemo, bei der die Jugendlichen ihren eigenen Müll mitbrachten und auf der Strasse verteilen. Trotzdem werden sie regelmässig von der Polizei eingekesselt und bedroht. Bei den Gemässigteren macht sich zunehmend Enttäuschung und Verzweiflung breit.
Immer weniger Jugendliche besuchen die Vollversammlungen. Insbesondere die Gemässigteren kehren ihr den Rücken zu. Die Stadt nutzt die Gelegenheit, um die Vollversammlungen in der Roten Fabrik zu verbieten.
»entweder mier resigniered jetzt oder es gaht ab dur d’mitti: d’gwalt retour geh, wo mier vo de polizei erfahre hend«
Die Bewegung mobilisiert daraufhin umso stärker. Es werden einige friedliche Demonstrationen abgehalten, doch die Stadt bleibt weiterhin auf ihrem Kurs. Zum 24. Dezember 1980 ist eine Grossdemonstration unter dem Motto «no AJZ – no Wiehnacht» geplant. Die ahnungslosen und zunächst friedlichen Demonstranten werden von der Polizei ohne Vorwarnung angegriffen. Ein grosser Teil der 10’000 Anwesenden erlebt die Polizeigewalt zum ersten Mal aus nächster Nähe.
Roland Meyer erklärt, dass die Stadt eigentlich liberal war, aber nicht wusste, wie sie mit den Unruhen umgehen will

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Globus am Bellevue

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d'schlüssig

Das AJZ wird insbesondere durch die Hilfe der Kirchgemeinden zum zweiten Mal eröffnet. Die Bedingungen der Bewegten werden angenommen. Das Haus verkommt zusehends in eine Drogenanlaufstelle. Viele der ehemals engagierten Jugendlichen flüchten.
Obwohl die Bewegung durch die letzten Vorkommnisse stark angeschlagen und der Winter für sie gleichzeitig ein symbolischer Winter mit spürbarer Hoffnungslosigkeit ist, beeindruckt sie durch ihre Regenerationsfähigkeit. Weiterhin üben die Bewegten Druck von der Strasse aus.
Das Haus an der Limmatstrasse 18-20 wird regelmässig eingenommen und von der Polizei geräumt. Parallel laufen die Verhandlungen mit der Stadt. Man ist sich innerhalb der Bewegung uneins über den Prozess bis zu einem neuen AJZ. Einige versuchen weiterhin, die Stadt am Verhandlungstisch zu überzeugen während andere das Haus einfach einnehmen: Hauptsache autonom.
Die Polizei räumt das AJZ (1980)
Die Stadt sieht sich gezwungen, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Trotzdem erkennt sie die Vollversammlung nicht als Verhandlungspartner an. Schlussendlich kann man die evangelischen und reformierten Kirchgemeinden zusammen mit der Pro Juventute gewinnen, um als dritte Instanz zwischen den Bewegten und dem Stadtrat zu vermitteln. Sie übernehmen die Trägerschaft für die Wiedereröffnung des AJZ.
Erstaunlicherweise ist die Stadt zu diesem Zeitpunkt und mit dieser Konstellation plötzlich zu viel mehr bereit als sie bei den letzten Verhandlungen noch gewesen war. Es wird eine Million Franken von ihr zur Verfügung gestellt. Daneben hilft sie mit Beratern und anderen Arbeitskräften aus und ist einverstanden mit dem vollständig autonomen Betrieb. Das AJZ wird am 3. April 1980 wieder eröffnet.
Doch der Zusammenhalt der Bewegung ist zerbrochen. Die Jugendlichen, welche beim ersten Betrieb des AJZ noch voller Elan waren, sind demotiviert. Die meisten der konstruktiven Kräfte beteiligen sich nicht mehr am Aufbau. Dazu kommt, dass durch das viele Geld, das dem AJZ zugesprochen wird, viele die Gelegenheit ergreifen, dieses in die eigene Tasche zu stecken. Das war für die Bewegten nie der ursprüngliche Zweck eines autonom geführten Jugendhauses.
Trotz der Einsichten aus dem ersten Betrieb, verläuft der Aufbau des Betriebes sehr unübersichtlich. Die Gruppensitzungen erweisen sich als kaum erfolgreich. Die Stimmung ist jeweils so aggressiv, dass man ewig braucht um die Arbeitsgruppen zu koordinieren.

Fyler gegen die Verwahrlosung des AJZ

"Nichts ist anders, alles steht still. Im Alkoholischen Junkie Zentrum herrschen Faustrecht und Unmenschlichkeit. ... Manchmal erinnert [es] mich ... an die Bahnhofstrasse. Die selben leblosen Gesichter, die gleiche Beziehungs- und Rücksichtslosigkeit. ... Was wollt ihr eigentlich im AJZ ausser konsumieren und nochmals konsumieren???"

Das AJZ scheint allgemein in allerlei Problemen zu ersticken. Den ganzen Dreck der Stadt, alle Junkies, Alkis, Penner zieht es an und die einst motivierten Köpfe verlassen den Ort oder werden mit jedem Tag kraftloser. Die Situation zwingt die Arbeitsgruppen, das AJZ am 23. März 1982 wohl oder übel zu schliessen.
Das AJZ wird abgerissen (1982)
Roland Meyer erzählt den letzten Ausruf der Polizei vor dem Abbruch des AJZ nach
Auf dem Areal wird eine Wiese angesät. Geplant ist ein Komplex mit knapp hundert Wohnungen inklusive Gemeinschaftsräumen, Cafeteria und Einkaufläden mit einem Budget von 20 Millionen Franken.

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d'zersplitterig

Die für die Bewegung ehemals so wichtige Vollversammlung scheint nicht mehr zustande zu kommen. Eine Gruppe militanter Bewegter versucht das letzte Mal einen Anlauf für eine Vollversammlung im Schindlergut.
Das Haus Schindlergut wird im März 1981 besetzt und zu einem provisorischen AJZ erklärt. Die Jugendlichen, welche im Volkshaus zur regelmässigen Vollversammlung gehen wollen, werden gebeten, sich zum Schindlergut zu begeben. Dort kommt aber keine Vollversammlung mehr zustande: Am selben Ort, an welchem 14 Jahre zuvor der Entschluss gefasst wurde, dass die Vollversammlung das oberste und letzte Organ der Bewegung sei, scheint sie jetzt zu verstummen.
Die einzelnen Parteien der Bewegung organisieren sich zusehends selbst. So entsteht unter anderem eine Häuserbesetzungs-Vollversammlung und eine Frauen-Vollversammlung, die jeweils über ihre spezifischen Anliegen diskutieren. Auch die militanten Gruppen spalten sich mehr und mehr ab und organisieren ihre eigenen Aktionen. An den meinungsbildenden Prozessen der Bewegung beteiligen sich immer weniger. Die Bewegung fällt insbesondere dadurch langsam auseinander.
Nach dem Abriss des AJZ überlegt sich die Stadt, wie sie den Jugendlichen einen Schritt entgegenkommen können. Das unterdessen – auch durch die Drogenszene – mehr oder weniger verwahrloste Drahtschmidli will die Stadt neu lancieren. Es ist die direkte städtische Antwort auf das AJZ.
Das umgebaute Drahtschmidli
Obwohl das Areal für viel Geld renoviert wird, ist es für die Jugendlichen keine Lösung. Sie sehen darin immer noch einen «Sozibunker». Das Haus schliesst wieder und die Stadt denkt abermals über ein neues Konzept nach.
Rolf Schuppli erzählt vom Umdenken in der städtischen Jugendpolitik
Nach den Unruhen findet die Politik Zeit um in sich zu kehren und sie erkennt, dass die kulturellen Ausdrucksformen der Jugendszenen einen wichtigen Bestandteil des sozialen Lebens in der Stadt darstellen. Dieser Erkenntnis wird mit einer veränderten Kultur- und Sozialpolitik Rechnung getragen. Die Behörden lassen sich nun leiten von der Einsicht, dass subkulturelle Kreativität gefördert werden muss. Und zwar auch dann, wenn sie laut und nicht genehm ist. Auch dann, wenn sie Bestehendes kritisiert und nicht mit den überkommenen Massstäben des Schönen und Guten in Einklang steht.
Nach den Unruhen findet die Politik Zeit um in sich zu kehren und sie erkennt, dass die kulturellen Ausdrucksformen der Jugendszenen einen wichtigen Bestandteil des sozialen Lebens in der Stadt darstellen. Dieser Erkenntnis wird mit einer veränderten Kultur- und Sozialpolitik Rechnung getragen. Die Behörden lassen sich nun leiten von der Einsicht, dass subkulturelle Kreativität gefördert werden muss. Und zwar auch dann, wenn sie laut und nicht genehm ist. Auch dann, wenn sie Bestehendes kritisiert und nicht mit den überkommenen Massstäben des Schönen und Guten in Einklang steht.
Rolf Schuppli beschreibt das alte Drahtschmidli und erzählt, wie es zum neuen Dynamo kam
Die Einsicht in die Veränderungen des städtischen Lebensraumes und in die Probleme, die sich aus den Veränderungen für die Jugendlichen der Stadt ergaben, sind Voraussetzung für das Verständnis, was Jugendkultur heisst, woher sie kommt und warum ein Jugendhaus gebraucht wurde.
Auf dem Areal des Drahtschmidlis wird das Dynamo 1983 als Versuch gestartet und soll Ausdruck der neuen städtischen Sozialpolitik werden. Es ist kein Ersatz für ein autonom geleitetes Jugendzentrum. Deshalb wird von den Jugendlichen nicht viel erwartet. Trotzdem hat sich das Konzept bewährt und die Stadt sagt sich 1988 für den definitiven Betrieb aus.
Daniel Hilfiker beschreibt, welche Angebote und Schwerpunkte das Dynamo heute hat

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Dynamo

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s'drogeeländ

Die Bewegten sind die ersten in der Stadt, welche den Junkies offiziellen Raum zur Verfügung stellen. Allerdings führt das mitunter auch zum Untergang des AJZ. Später entsteht die Drogenszene am Platzspitz.
Die Schaffenden im AJZ sind mitunter die ersten, die der Drogenszene liberal entgegenzutreten versuchen. Sie richten den ersten Fixerraum ein. Doch mit den Junkies kommen auch die Dealer. Der hauseigene Ordnungsdienst kann sie nicht fernhalten. Verzweifelt ersuchen die Bewegten Hilfe bei der Stadt und bitten um einen externen Fixerraum.
Die Stadt allerdings fegt die Junkies und Dealer regelmässig von den Strassen. Sie scheint auch vor diesem Problem stagniert. Es droht die Verslumung ganzer Stadtkreise. 1986 überlässt man den Junkies den Platzspitz um sie möglichst zentral und gut überwachen zu können. Das Elend ist damit aber nicht gelöst. Im Gegenteil: Der sogenannte Needle Park wird zu einem Symbol von Zürich. Das Elend erlebt kaum vorstellbare Höhepunkte. Bis zu 25 Mal am Tag müssen Sanitäter Junkies wiederbeleben und pro Jahr sterben duzende auf offener Strasse.
Die Stadt stimmt 1990 über eine Erweiterung der Drogenpolitik ab und 1992 wird der Park polizeilich geräumt. Es vergehen drei weitere Jahre bis das Drogenproblem von der Strasse verschwindet. Doch die Grundprinzipien der Stadt scheinen sich zu bewähren: Repression, Prävention, Therapie und Überlebenshilfe.
Rolf Schuppli erklärt, warum die neue Drogenpolitik der Stadt entscheidend für die Veränderungen in der Jugendarbeit waren.
Das Drogenproblem ist heute mehrheitlich von der Strasse verschwunden. Trotzdem existiert die Szene weiterhin. Die Angebote der Stadt machen es Süchtigen allerdings viel einfacher als früher, Hilfe zu finden und annehmen zu können. Jeder zweite Abhängige ist in Behandlung, was im weltweiten Vergleich überaus hoch ist.

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Rondell im Platzspitz

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ZIELGERADE

Das Haus an der Limmatstrasse 18-20 wird den Bewegten für ihr Autonomes Jugendzentrum zugesprochen. Am 20. Juni 1980 greift die Sozialdemokratische Partei den Bewegten unter die Arme.
Nach langer Diskussion unter den Jugendlichen bezüglich der zugesprochenen Räumlichkeiten, bietet die Sozialdemokratische Partei dem Gemeinderat an, die Trägerschaft für ein autonom geleitetes Jugendzentrum zu übernehmen. Kurze Zeit später beschliesst die Vollversammlung den Vorschlag der Sozialdemokraten anzunehmen. Die Bedingung ist allerdings, dass das Haus autonom geführt werden muss und bis Ende des Monats geöffnet werden kann.
Mit der Eröffnung des Autonomen Jugendzentrums wird die Bewegung entscheidend verändert. Die Hauptforderung ist nun erfüllt und es erfolgt eine Demobilisierung vieler Aktivisten. Die verbleibenden Jugendlichen nehmen die Renovation des Hauses zügig in die Hand. Es zeigt sich, dass sich insbesondere diejenigen am Projekt engagieren, welche mit Herzblut dafür kämpften. Es sind auch diejenigen, welche politisch am erfahrensten sind und bis anhin in verschiedensten Arbeitsgruppen aktiv waren.
Die Bewegten sind sich bewusst, dass die Stadt keinerlei Vertrauen in das Projekt hat und das Haus so bald wie möglich wieder schliessen will – wie bisher mit allen anderen autonomen Räumen. So versuchen sie möglichst schnell viel Geld in die Aufbau- und Renovationsarbeiten zu stecken um fertige Tatsachen zu schaffen.
Die Struktur im Autonomen Jugendzentrum wächst durch die Bedürfnisse. Es gibt Leute, die sich dazu bereit erklären, diese Bedürfnisse abzudecken und mit Lust und Musse am Werk sind. So entstehen mit der Zeit verschiedene Arbeitsgruppen. Die Betriebsgruppe ist für die Buchhaltung zuständig ist und knüpft Kontakte gegen aussen– insbesondere zu Eltern und zur Trägerschaft. Daneben entstehen Arbeitsgruppen für Küche, Restaurant, Bar, Sanität, Drogenhilfe, Frauen, Presse, Theater und Kino, Musik und andere Veranstaltungen.

POLIZEIGEWALT

Die Stadt versucht auf Grund einer nicht bewilligten Demonstration am 20. Juli 1980 die Bewegung offensichtlich zu zerschlagen. Es werden über hundert Menschen verhaftet, doch die Bewegten reagieren in gewohnter Manier.
Der Betrieb eines autonom geführten Jugendhauses wird scheinbar endlich von der Stadt geduldet. Doch einige Strafverfahren sind ausstehend und die Bewegten wollen sich dagegen einsetzen. Rund zwei Wochen nach der Inbetriebnahme des Autonomen Jugendzentrums versammeln sich etwa 200 Bewegte vor dem Haus um gegen die aus ihrer Sicht unbegründeten Strafverfahren zu demonstrieren. Da die Demonstration ohne Bewilligung durchgeführt werden soll, entschliesst sich der Stadtrat zu einem Grossaufgebot der Polizei.
Bevor die Demonstranten überhaupt losmarschieren können, stellt ihnen die Polizei ein Ultimatum. Innerhalb einer Minute sollen sich die Bewegten zurückziehen. Kurz darauf erfolgt der Angriff. Mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen veranstaltet die Polizei eine Treibjagd auf die Jugendlichen. Es scheint, als gehe es nicht um die Auflösung einer Demonstration, sondern um die Zerschlagung einer Bewegung und die systematische Verhaftung ihrer Mitglieder.
Flugblatt
Ziehen Sie Nutzen aus Ihrer abartigen Veranlagung! Sadisten meldet euch als Polizisten.
Kurze Zeit später soll im Schweizer Fernsehen über die Verhältnismässigkeit des Polizeieinsatzes gesprochen werden. Die Bewegten entsandten zwei Mitglieder als Vertreter in der Sendung. Diese geben sich als Durchschnittsbürger aus der schweigenden Mehrheit – als Herr und Frau Müller – aus.
Sie beschweren sich vordergründig über die Harmlosigkeit des Einsatzes und proklamieren, dass man zukünftig härter durchgreifen soll. Sowohl ihre Gesprächspartner aus der Politik als auch der Moderator sind dieser Strategie nicht gewachsen. Das Gespräch wird vorzeitig abgebrochen.

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CREDITS

Besten Dank an

René Nussbaumer

Dominic Täubert

Rolf Schuppli

Christian Casparis

Roland Meyer

Daniel Hilfiker

René Baumann

Johanna Althainz

Thomas Saner

Quellen

Schweizerisches Sozialarchiv
(Datenbank Bild + Ton)

Hanspeter Kriesi

Sozialdepartement Stadt Zürich

Heinz Nigg
(REBEL VIDEO | wir wollen alles, und zwar subito!)

René Baumann

Gertrud Vogler

Roland Meyer

Neue Zürcher Zeitung

Tages-Anzeiger

Woodcutter manero

Mona Eendra

Lukas Bernays
(Definitiv Zürich)

Volkshausstiftung Zürich

Zürcher Gemeinschaftszentren

Distorted Room

Universität Zürich

Archiv Schweizer Radio und Fernsehen

Letter Box

Grafikatelier Jugendkulturhaus Dynamo

Max Koller

Roland Nowotny

Peter Zeugin

Josef Schmid

Idee & Konzeption
Chris Saner


Mentoring
Marc Lepetit


Leitung
Nico Lypitkas


züri uprising

Christian Casparis

ehemaliger Leiter der Zürcher Gemeinschaftszentren

Roland Meyer

ehemaliger Leiter des Einsatzprogramms für arbeitssuchende Jugendliche und Beizer im Autonomen Jugendzentrum

Rolf Schuppli

ehemaliger Leiter des Dynamo

Daniel Hilfiker

derzeitiger Leiter des Dynamo und der Raumbörse

Dominic Täubert

Gründungsmitglied des Jugendparlaments Kanton Zürich

züri uprising

Zu Beginn der 1980er-Jahren schliessen sich die Jugendlichen der Stadt Zürich zusammen, um gemeinsam für mehr Freiheit und mehr Raum zu kämpfen. Sie fordern ein Jugendzentrum, das sie selbst verwalten können und gehen dafür sogar auf die Strasse. Während sich die Politik erst mit repressiven Mitteln zu wehren versucht, werden in dieser Zeit die Weichen gestellt für die Stadt, wie wir sie heute kennen. Mach dich mit deinem Smartphone auf Entdeckungstour und besuche die einschlägigen Orte der Bewegung. Tauche in die Geschichte des Autonomen Jugendzentrums ein und schalte allerlei Zusatzinformationen frei.

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